Was ist eigentlich „Heimat"?
Ausstellung des Themenkunstvereins Feucht gibt Antworten

FEUCHT— „Heimat" ist das Thema der jüngsten Ausstellung des Themenkunstvereins Feucht. 24 Künstler aus der Marktgemeinde und Umgebung zeigen auf ihre jeweils eigene Weise, was jeder von ihnen unter dem Begriff versteht.
Mosaikartig setzt sich aus all diesen Einzelsichten ein Bild zusammen, das eine große Vielfalt an Techniken und Herangehensweisen an das Thema bündelt. Von Fotos über Plastiken, Ölbilder und Aquarellen bis zu Wachsskulpturen reichen die Ausstellungsstücke.
Die Werke in der Galerie des Cafes Bernstein lassen den Betrachter nachvollziehen, welcher Aspekt dem jeweiligen Künstler als der wichtigste erschien. Heimat ist Geborgenheit, Familie, „Überall", fränkisches Fachwerk und der Heimatort. So war zur Einstimmung auf die Ausstellung auch nicht von ungefähr ein Film gewählt worden, der Aufnahmen von Feucht aus dem Jahr 1950 zeigte.
Für die rund 70 Besucher der Eröffnung gab es im Film viel zu entdecken: Gesichter, Ecken der Gemeinde, die heute ganz anders aussehen - oder sich ähnlicher geblieben sind, als die Zeit vermuten ließ.
Eine Vision der Gemeinde Feucht im Jahr 2016 steuerte Werner Bernhardt bei: Der Ort steht völlig unter Wasser. Auf seinem Aquarellbild ist gerade noch an Hausdächern und Kirchturmspitze zu ahnen, um welchen Ort es sich handelt. Um der Sache etwas Authentisches zu geben, hat Bernhardt dem Foto eine zukünftige Ausgabe des „Boten" beigesellt, der sachlich über Hochwasser und Evakuierung berichtet. „Was würde es bedeuten, Feucht als Heimat auf diese Weise zu verlieren?" ist eine der Fragen, die Bernhard mit seinem Werk verknüpft. Ihm selber sei beim Nachdenken über den Begriff Heimat erst so richtig klar geworden, wie wichtig ihm als „Ur-Feuchter" der Ort ist.
Peter Held wiederum hat für sich festgestellt, dass Heimat „überall" ist. Irgendwo dort, wo eine Zweisamkeit gleichsam schützend ein Ganzes ergibt, das vor der Welt rundum abschottet und Geborgenheit bietet.

Geborgenheit wie im Nest
Auch Anneliese Romeis hat mit „Geborgenheit" auf die Frage nach Heimat geantwortet. Ihre Verknüpfung von verschiedenen Stoffen ähnelt einem Vogelnest, das scheinbar locker an nur einem Nagel hängt, doch gleichzeitig viel Raum zum Kuscheln bietet. Den findet die elfjährige Lena Koll in ihrer Familie. Liebevoll hat die jüngste Künstlerin Gipsabdrücke des eigenen Gesichtes und dem ihrer Eltern zu einem Ganzen gefügt - und so ihre Familie plastisch dargestellt.
Nurten Gölcük-Hess erzählt eine ganze Familiengeschichte: In einem Koffer hat sie Erinnerungen an ihre türkische Heimat versammelt, die beinahe wie ein Hausaltar wirken. Die Besucher lädt sie ein, zwischen Gewürzen, Gläsern, Deckchen, Fotos und Spielzeugen zu wühlen. „Rumkruschen erlaubt" ist eine Einladung, sich ihrem Koffer und damit den Erinnerungen ihrer Familie zu nähern.
Ein wenig Voyeurismus ist schon erforderlich, denn dringt man durch das Grabbeln in einem fremden Koffer denn nicht in das Leben einer anderen Familie ein? Was fühlte man selber, würde der eigene Besitz gerade in einen Koffer passen? Würde man Heimat vermissen oder wäre der Koffer die Heimat? Solche und andere Fragen sind es, die der Besuch dieser Ausstellung weckt. Oder sind es nicht „Roots", also Wurzeln, die Christian Haberland Heimat bedeuten?
Den Mitgliedern vom Themenkunstverein ist auch das „Bernstein" ein Stück Heimat, wird am Abend deut
lich. Schließlich lässt es sich hier gut mit Kollegen fachsimpeln, an einem lauen Septemberabend draußen sitzen und darüber diskutieren, warum wer wie seinen Bezug zur Heimat in Kunstform wiedergegeben hat. Antworten der Ausstellenden und dadurch vielleicht auch eigene findet, wer Zeit und Ruhe mitbringt, um sich auf das Nachdenken über den Begriff der Heimat einzulassen.
Bis zum 26. Oktober besteht die Möglichkeit, das in der Ausstellung des Themenkunstvereins zu tun.

Antje Seilkopf



Quelle: "Der Bote" vom 19.09.2006
 
Zu den Kunstwerken der Ausstellung "Heimat"
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